Wirkungen

Nach Cranio-Behandlungen gibt es Sofortwirkungen und verzögerte Wirkungen. Im folgenden werden typische Mechanismen dargestellt, die natürlich bei realen Behandlungen individuellen Unterschieden unterworfen sind.

Die auffälligste Sofortwirkung ist die Spannungsregulation der Muskulatur und der Faszien. Alle Beschwerden, die damit in direkter Verbindung stehen, können unmittelbar beeinflusst werden. Dazu gehören z.B.  Spannungsschmerzen im muskulo-skelettalen Apparat, Bewegunggseinschränkungen, Spannungskopfschmerz, Atembeschwerden etc.

Gleichzeitig ist  eine mental-seelische Ausgeglichenheit als Sofortwirkung wahrzunehmen. Das kann sofortige Auswirkungen auf Erregungszustände, sympathische Überaktivierung, Depressionen, Ängste, Ruhelosigkeit, Schlafstörungen, Erschöpfung usw. haben.

Die Kombination von beiden hat z.B. Einfluss auf Tinnitus, Hörsturz, ösophagalen Reflux und Rückenschmerzen.

Vom Laien wird das gewöhnlich als Entspannung bezeichnet. Doch während Entspannung nur eine Veränderung des gegenwärtigen Zustandes ist, arbeitet Cranio auf eine Wiederherstellung der autonomen Regulationsfähigkeit hin (d.h. Anpassungsfähigkeit an verschiedene Situationen) und beugt damit dem Wiederauftreten der Beschwerden vor. Das ist ein qualitativer Unterschied, den der Profi unterscheiden können sollte.

Ein verbesserter Gehirnstoffwechsel oder eine verbesserte Blutzirkulation kann sofortige Auswirkungen haben, z.B. Nachlassen von Kopfschmerzen oder Rückkehr von Funktionen (z.B. bei Demenz).

Mittelfristige Wirkungen können z.B. dadurch eintreten, dass die natürliche Motilität von Geweben wiederhergestellt wird. Die Motilität ist für die Ver- und Entsorgung von Geweben von entscheidender Bedeutung. Durch ihre Wirkung wird der interstitielle Raum ver- und entsorgt. Chronische Schmerzen beruhen häufig auf Ansammlungen von Stoffwechselendprodukten. Ist die normale Motilität wieder hergestellt, braucht es jedoch Zeit für den Abtransport.

Mittelfristig wirkt sich auch die Behebung von Gelenkfehlstellungen aus. Fehlstellungen führen zu Überbeanspruchung des Gelenkes selbst und umliegender Strukturen. Ist die Fehlstellung behoben, können Gewebereizungen, Flüssigkeitsansammlungen, Schwellungen, Entzündungen etc. zurückgehen. Das erfordert jedoch Zeit, so dass die Wirkung erst nach Tagen oder Wochen eintreten kann.

Auch bei Wirkungen auf das Immunsystem sind Infektionen nicht sofort weg, sondern erst, nachdem das angeregte Immunsystem seine Arbeit getan hat (einige Tage). Bei Allergien braucht es wenigstens eine Nacht Schlaf, um das vorhandene Histamin abzubauen, damit eine Wirkung spürbar ist.

Langfristige Wirkungen sind bei Asymmetrien im Bewegungsapparat zu erwarten. Hier liegt ein Zusammenspiel von muskulären Dysbalancen, faszialen Asymmetrien und Bewegungsmustern zugrunde, möglicherweise auch mental-seelischen Faktoren. Diese Faktoren hängen miteinander zusammen, reagieren jedoch in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Darum arbeiten wir in der Cranio-Sacral-Therapie darauf hin, einen Richtungsimpuls mit angemessener Veränderungsgeschindigkeit zu geben. Zu schnelle Veränderungen können zu Instabilität und folgender Heilungsverzögerungen führen. Es braucht also Zeit.

Weiterhin ist zu beobachten, dass Cranio-Behandlungen langfristig Ressourcen für persönliche Entwicklungen freisetzen. Häufig ist geradezu ein Erblühen von Menschen zu beobachten. Dauerstressoren werden abgebaut, persönliche Verhältnisse neu geordnet, berufliche Entwicklungen eingeleitet.

Die oben angeführten Beispiele dienen dazu, eine Vorstellung von den möglichen Wirkungen zu geben. Die Aufzählung ist keinesfalls vollständig. Das ist bei so einer umfassenden Methode wie Cranio gar nicht möglich.

Völlig unerwähnt müssen (an dieser Stelle) die Wirkmechanismen bei multifaktorellen Beschwerdebildern bleiben. Bei ihrer Betrachtung verlassen wir den Raum der einfachen Ursache-Wirkungs-Denkweise. Der Bereich komplex-mehrdimensionaler Wirkmechanismen ist in diesem Rahmen einfach nicht darstellbar.